Realitätsverlust im Rathaus – Das Scheitern des Fahrradparkhauses ist hausgemacht. Und es trägt einen Namen.
Presseinfo der CDU-Fraktion im Rat der Stadt Sehnde
Wer die öffentlichen Äußerungen von Bürgermeister Olaf Kruse zum gestoppten Fahrradparkhaus verfolgt hat, zuletzt in den HAZ-Artikeln vom 16. und 20. Februar, reibt sich die Augen.
Statt Verantwortung zu übernehmen, wird sie verschoben. Statt Zahlen offenzulegen, werden Stimmungen beschrieben. Und plötzlich ist von einer „schweigenden Mehrheit“ die Rede, die angeblich hinter dem Projekt gestanden habe.
Woher nimmt der Bürgermeister diese Gewissheit?
Dr. Marco Schinze-Gerber, Bürgermeisterkandidat und stellvertretender CDU-Fraktionsvorsitzender, stellt klar: „Uns liegen keinerlei Umfrageergebnisse, Bürgerbefragungen oder belastbare Daten vor, aus denen sich eine solche Mehrheit ableiten ließe. Wer sich auf eine schweigende Mehrheit beruft, sollte sagen, worauf er sie stützt.“
Politik arbeitet mit Fakten. Nicht mit Vermutungen. Schon gar nicht bei einem Millionenprojekt.
Schon gar nicht in einer Stadt, die auf Pump lebt.
Dieses Scheitern ist kein Zufall. Es ist das Ergebnis eines Führungsversagens.
Ein guter Anfang, und dann der erste Wendepunkt
„Im Frühjahr 2022 begann alles konstruktiv. In einem Workshop saßen Politik, interessierte Bürger, Vertreter des ADFC und die Verwaltung gemeinsam am Tisch. Es wurde offen gedacht. Werkstatt, WC, Kiosk: viele Ideen lagen auf dem Tisch. Es war ein offener Brainstorming-Prozess,“ erläutert Dr. Schinze-Gerber
Das war richtig. Das war transparent. Und das war politisch gewollt.
Im September 2023 jedoch stellte die Verwaltung unter Leitung von Bürgermeister Kruse einen Förderantrag, und zwar für das Komplettpaket. Ohne dass die zusätzlichen Elemente zuvor politisch beraten worden waren.
Dr. Schinze-Gerber fragte damals ausdrücklich nach, warum ein Gesamtpaket beantragt werde, das so nie politisch im Detail beraten wurde?
Die Antwort des Bürgermeisters lautete inhaltlich: Man wolle zunächst maximale Fördermittel beantragen. Streichen könne man später immer noch. Erst einmal sehen, was möglich sei.
„Das war der erste Wendepunkt“, so Dr. Schinze-Gerber.
Sommer 2024: Plötzlich keine Wahl mehr
Im Sommer 2024 ging der Förderbescheid ein. Erneut fragte Dr. Schinze-Gerber: „Wann beraten wir die endgültige Planung? Wann entscheiden wir, welche Elemente tatsächlich umgesetzt werden?“
Die Antwort des Bürgermeisters war nun eine völlig andere: Nichts könne mehr gestrichen werden. Das Projekt müsse exakt so umgesetzt werden wie beantragt. Andernfalls sei ein neuer Antrag nötig.
„Erst hieß es: Wir beantragen alles und entscheiden später. Dann hieß es: Es darf nichts mehr verändert werden,“ sagt Dr. Schinze-Gerber und ergänzt: „Ab hier begann der Vertrauensverlust.“
Ende 2025: Die Kosten steigen, aber nur angeblich
Auf die Anfrage der CDU-Fraktion in der Ratssitzung am 04.09.2025 teilte der SPD-Bürgermeister mit, dass sich in der Detailplanung Aspekte ergeben hätten, die voraussichtlich höhere Kosten verursachen als bislang veranschlagt. Konkrete Zahlen gab es nicht.
Erst im Dezember 2025 informierte er den Rat, dass das Fahrradparkhaus teurer werde. Die Stadt müsse voraussichtlich lediglich rund 40.000 Euro zusätzlich tragen. 90 Prozent der fast 400.000 Euro Mehrkosten übernehme der Fördermittelgeber.
Diese Darstellung wiederholte der Bürgermeister öffentlich. So auch gegenüber der Presse immer noch in dieser Woche.
Informiert wurde der Rat und die Öffentlichkeit erst im Dezember 2025. Das ist kein Detail. Das ist ein viertel Jahr nach der Anfrage in der Ratssitzung. Ein viertel Jahr, in dem die Öffentlichkeit davon ausging, das Projekt sei finanziell im Rahmen. Und beiläufig wurde der Rat erst am Ende der intensiven Haushaltsberatungen für den Doppelhaushalt 2026/27 informiert. Das ist kein zeitliches Detail. Das ist politisch relevant.
Anfang 2026: Neue Zahlen – fast täglich
Anfang 2026 hakte die CDU-Fraktion erneut nach. Nun hieß es, weitere Fördermittel aus anderen Töpfen könnten helfen.
Dr. Schinze-Gerber prüfte die Förderrichtlinien selbst. Ergebnis: Eine Doppelförderung war ausdrücklich ausgeschlossen.
Bis eine Woche vor der entscheidenden Ratssitzung am 12. Februar lagen keine belastbaren Zahlen vor; weder Bau-, noch laufenden Kosten. Stattdessen wurden nahezu täglich neue Berechnungen präsentiert.
„Uns war klar: Das ,stinkt zum Himmel‘ – die Öffentlichkeit und der Rat werden an der Nase herumgeführt. Wir erkannten, dass wir ein finanzielles Desaster verhindern mussten“, so Dr. Schinze-Gerber.
Darüber hinaus konnte der Bürgermeister innerhalb eines halben Jahres nicht verbindlich klären, ob und in welchem Umfang zusätzliche Fördermittel möglich wären.
Gleichzeitig wurde die Forderung, das Projekt kleiner und damit günstiger zu bauen, stets als unmöglich zurückgewiesen. Begründung: Ein neuer Architektenauftrag. Ein neuer Förderantrag. Alles angeblich ausgeschlossen.
12. Feburar 2026: Die Reißleine
Die CDU-Fraktion verlor das Vertrauen; nicht in die Idee sicherer Fahrradstellplätze, sondern in die Verlässlichkeit der Projektführung, den Ungereimtheiten und der widersprüchlichen Aussagen.
Zusammen mit der FDP zog die CDU-Fraktion die Reißleine.
Nach dem Ratsbeschluss erklärte der Bürgermeister vergangene Woche öffentlich, nun sei es doch möglich, das Projekt kleiner zu bauen. Jahrelang hieß es, das gehe nicht.
Was gilt denn nun?
„Wenn über Jahre behauptet wird, etwas sei unmöglich, und nach der Entscheidung heißt es plötzlich, es sei doch möglich gewesen, dann ist das kein Missverständnis mehr“, so Dr. Schinze-Gerber. „Dann ist das ein massiver Glaubwürdigkeitsverlust.“
„Wir leben auf Pump“
In der Ratssitzung am 12. Februar 2026 berichtete die Vorsitzende des Finanzausschusses und stv. Fraktionsvorsitzende Heike Benecke öffentlich: „Seit Sommer 2025 hat die Stadt Sehnde einen Kassenfehlbetrag. Auch durch die Steuereinnahmen im Februar kann dieser nur verringert werden. Wir leben dennoch weiterhin auf Pump.“
Das ist die Realität.
Fraktionsvorsitzender Sepehr Amiri wird deutlich:
„Das Scheitern dieses Projektes ist allein Bürgermeister Kruse zuzuschreiben. Er hat über Jahre die Öffentlichkeit und den Rat betrickst und ist ausgewichen. Wir haben die Reißleine gezogen, weil mit seiner Glaubwürdigkeit die gesamte Glaubwürdigkeit dieses Projektes auf dem Spiel stand. Und für uns damit auch die Glaubwürdigkeit der Neuen Mitte gefährdet gewesen wäre.“
Und weiter:
„Das Scheitern hat einen Namen: Bürgermeister Kruse.“
Verantwortung bedeutet, Schaden zu begrenzen
Ja, es sind bereits Planungskosten entstanden. Ja, das ist ärgerlich. Doch die Alternative wäre gewesen, sehenden Auges ein Projekt weiterzuführen, dessen Finanzierung in einem Schuldendesaster geendet wäre, und zwar in Millionenhöhe.
Wer übernimmt die politische und finanzielle Verantwortung, sollte das Projekt nicht fristgerecht umgesetzt und somit keine Fördermittel gezahlt werden?
Die CDU-Fraktion steht für solide Haushaltsführung, Transparenz und politische Ehrlichkeit. Ein SPD-Bürgermeister, der Zahlen monatelang nicht offenlegt, der Zusagen ändert und Möglichkeiten je nach Lage anders darstellt, beschädigt nicht nur ein Projekt.
Er beschädigt das Vertrauen in die Stadtführung.
Die CDU-Fraktion ist bereit, tragfähige und bezahlbare Lösungen für sichere Fahrradabstellplätze am Bahnhof umzusetzen und hat bereits viel günstigere Alternativ-Vorschläge vorgelegt. Bürgermeister Kruse hat allerdings zusammen mit AfD, SPD und den Grünen dagegen gestimmt.
Das Vertrauen in die Stadtführung wiederherzustellen, ist jetzt die eigentliche Aufgabe.
Aber nicht auf Basis von Intransparenz und nicht mehr mit diesem SPD-Bürgermeister.
Nicht auf Basis wechselnder Wahrheiten.
Und nicht auf Kosten der Glaubwürdigkeit dieser Stadt.