„Reißleine für das Fahrradparkhaus jetzt ziehen!“
CDU-Bürgermeisterkandidat Dr. Schinze-Gerber fordert Stopp desLeuchtturmprojekts
Vertrauen ist die Grundlage politischer Entscheidungen. Vertrauen darauf, dass mit Steuergeld verantwortungsvoll umgegangen wird. Und Vertrauen darauf, dass Politik den Mut hat, Projekte zu stoppen, wenn sie aus dem Ruder laufen. Genau dieses Vertrauen steht in Sehnde beim geplanten Fahrradparkhaus am Bahnhof auf dem Spiel.
Was als sinnvolle Infrastrukturmaßnahme begann, hat sich zu einem Leuchtturmprojekt mit massiv steigenden Kosten entwickelt. Aus ursprünglich rund einer Million Euro sind inzwischen 1,45 Millionen Euro geworden, und das wird sicher noch nicht das Ende sein. Gleichzeitig sank die Zahl der geplanten Stellplätze von 160 auf 136.
Kosten explodieren, bevor gebaut wird
Besonders problematisch ist der Zeitpunkt dieser Entwicklung. Das Projekt befindet sich noch immer in der Planungsphase. „Normalerweise erleben Kommunen Kostensteigerungen erst in der Bauphase“, sagt Dr. Marco Schinze-Gerber, Bürgermeisterkandidat und Vorsitzender der CDU Sehnde. „Hier explodieren die Kosten bereits, bevor überhaupt gebaut wird. Das ist ein klares Warnsignal.“
Hinzu kommt die Aussage der Verwaltung, dass zusätzliche Fördermittel ungewiss sind. Es gäbe keinen Anspruch, sondern lediglich die vage Möglichkeit eines „möglichen Nachschusses“. Auf dieser Grundlage lassen sich keine verantwortungsvollen Haushaltsentscheidungen treffen.
Selbst wenn es höhere Fördermittel geben sollte, was zu diesem Zeitpunkt unwahrscheinlich ist, greift für Dr. Schinze-Gerber bereits dieses Argument zu kurz. „Fördergeld ist kein Geschenk. Es ist ebenfalls Steuergeld, das wir alle bezahlen.“
Das Beispiel Kiel als Warnung
Wie solche Projekte enden können, zeigt ein Blick nach Kiel. Dort wurde ein Fahrradparkhaus mit Kosten von rund 11.000 Euro pro Stellplatz im Schwarzbuch 2024 des Bundes der Steuerzahler öffentlich als Steuergeldverschwendung benannt. „Wollen wir wirklich riskieren, dass Sehnde in einem Atemzug mit Kiel genannt wird?“, fragt Dr. Schinze-Gerber. „136 Fahrradstellplätze für jeweils über 10.600 Euro sind kein
Zukunftsprojekt, sondern ein deutlicher Warnhinweis.“
Vom Versprechen zur Realität
Der Bürgermeister-Kandidat erinnert an den öffentlichen Workshop im März 2022, an dem auch er mit Vertretern u.a. aus Rat, Verwaltung, ADFC und interessierten Bürger teilnahm. Damals hieß es aus dem Rathaus, ein Fahrradparkhaus koste rund eine Million Euro. Die Stadt müsse lediglich zehn Prozent, also etwa 100.000 Euro, selbst tragen. Mit der Aussage „für weniger Geld als ein gesicherter Fahrradkäfig bekommt man ein ganzes Parkhaus“, wurde seinerzeit für das Projekt geworben. Diese Zusage war Grundlage der politischen Zustimmung. Die erste Planung lag bei rund 1.065.000 Euro, mit einem Förderbetrag von etwa 958.000 Euro. Ende 2025 wurde der Rat darüber informiert, dass Mehrkosten für die Stadt von rund 35.000 Euro entstehen würden. Doch bereits jetzt liegt der Eigenanteil der Stadt bei mindestens 493.000 Euro, wenn gebaut wird, und das Projekt ist noch in der Planungsphase.
Ein unkalkulierbares finanzielles Risiko Die aktuellen Gesamtkosten liegen bei 1.451.598 Euro. Bei einer konservativen Annahme von lediglich 20 Prozent weiterer Kostensteigerung in der Bauphase kämen noch einmal rund 290.000 Euro hinzu. Damit läge der städtische Anteil bei etwa 783.000 Euro. Dieses Geld hat die Stadt nicht. Es müsste kreditfinanziert werden. Bei kommunalen Laufzeiten von 50 Jahren und einem Zinssatz von aktuell drei Prozent entstünden zusätzliche Zinskosten von fast 730.000 Euro. Unterm Strich würde das Projekt der Stadt rund 1,5 Millionen Euro kosten – vorausgesetzt, der Bau wird fristgerecht bis zum 31.03.2027 abgeschlossen. Wird dieser Termin verfehlt, droht zusätzlich die Rückzahlung der Fördermittel in Höhe von rund 958.000 Euro. Im Worst Case liegt das finanzielle Risiko damit bei nahezu 2,5 Millionen Euro!
Stopp ist günstiger als Weitermachen
Ein sofortiger Stopp ist aus Sicht des Bürgermeisterkandidaten dringend geboten. In der jetzigen Phase liegen die bereits entstandenen Planungskosten bei ca. 235.000 Euro. Das ist schmerzhaft, aber begrenzbar.
Wird das Projekt hingegen fortgesetzt, muss die Stadt mindestens 493.000 Euro an Eigenmitteln aufbringen, mit der Gefahr am Ende auf mehrere Millionen Euro zu kommen. „Genau hier beginnt das hoch eklatante Risiko“, erläutert Dr. Schinze-Gerber. „Wenn wir jetzt nicht stoppen, droht dieses Leuchtturmprojekt zu einem echten Millionengrab für Sehnde zu werden.“
Verantwortung heißt Reißleine ziehen
Dr. Schinze-Gerber betont, dass er selbst leidenschaftlicher Fahrradfahrer ist und in Sehnde häufig mit seinem über 50 Jahre alten Hollandrad unterwegs ist. „Aber gute Politik braucht Maß und Mitte und kein ideologisch aufgeladenes Prestige-Projekt“, so der Kandidat für die Rathausspitze. „Dieses Bauvorhaben hat bereits jetzt beides verloren.“
Sein Fazit ist eindeutig: „Wir müssen dieses Projekt jetzt stoppen. Nicht aus Trotz, sondern aus Verantwortung. Für die Steuerzahler. Für die Glaubwürdigkeit der Kommunalpolitik und damit unserer
Demokratie. Und für einen Haushalt, der auch morgen noch handlungsfähig ist.“